Philosophieren mit Kindern


Über uns

Wir sind drei Studierende der Hochschule Rhein-Waal. Wir studieren derzeit im fünften Semester Kindheitspädagogik.

Impulse

Hier ein paar Inspirationen zum Philosophieren.

Grundlagen des Philosophierens 

Mit Philosophie verbinden manche Menschen etwas Abstraktes, Hochtrabendes, etwas, das in staubigen Bibliotheken und vollgestopften Arbeitszimmern passiert. „Philosophieren mit Kindern“ klingt dann für sie seltsam. Dabei ist sowas simples wie ein Ruhemoment, in dem die Gedanken frei sind für die Verwunderungen und die tieferen Fragen des Lebens – ob vor oder nach der Mittagsruhe, beim Essen, beim Spazierengehen oder beim Spielen am wichtigsten. 

Beobachtet man etwa ein Baby, welches gerade mal einige Wochen auf der Welt ist und nicht schläft oder schreit, dann fällt einem auf, wie es aufmerksam die Welt und uns betrachtet. Es ist nicht so einfach zu sagen, was in seinem Kopf vor sich geht, aber es ist nicht allzu gewagt anzunehmen, dass es staunt und sich über die Welt wundert. Dieses Staunen und Wundern, die Neugier und das Erkunden wollen der Welt stehen auch am Anfang der Philosophie.  

Setzt man das Staunen an den Anfang der Philosophie, dann beginnt das Philosophieren schon kurz nach der Geburt. Aber neben dem Staunen gibt es noch einen weiteren Aspekt des Philosophierens: Philosophieren ist eine Tätigkeit, die sich im Gespräch vollzieht. Eine einfache Definition von Philosophieren ist: Sich einen Reim auf die Welt zu machen, Sinn und Verstehen herzustellen. Diese Konstruktion von Sinn beginnt sehr früh. Damit Kinder das Schaffen, brauchen sie Menschen, die sie darin unterstützen, indem sie sich ihnen selbst zuwenden und mit ihnen ihre Welterfahrung teilen. Versteht man Philosophieren vor diesem Hintergrund als ein dialogisches sich ineinander-Einfinden und -Hineindenken, also auf einer ganz elementaren Ebene, dann beginnt das Philosophieren mit Kindern mit diesem frühen Dialog. Unsere Begriffswelt entwickelt sich durch Teilnahme am „Prozess der kooperativen Kommunikation – im hin und her verschiedener Arten von Diskursen“ (Tomasello 2009, 364). 

Beim Nachdenken über unser Denken betrachten wir auch, was unsere Begriffe bedeuten. So generieren wir philosophische Fragen: Was ist Gerechtigkeit? Was ist Liebe? Um Antworten auf solche Fragen zu erhalten, können wir uns an Definitionen versuchen. Oder wir betrachten die Gegenstände der Welt und fragen uns, ob sie zu unseren Begriffen passen. Oder wir übertragen unsere Begriffe auf neue Eindrücke. Dies bewusst zu tun, ist eine zentrale Tätigkeit beim Philosophieren und auch beim wissenschaftlichen Forschen. Kinder gehen dieser Tätigkeit selbstständig und intuitiv nach, denn ihre Begriffe und Konstrukte von der Welt sind noch nicht so ausgereift und präsent wie bei Erwachsenen. Darin ähneln sie den PhilosophInnen, denn auch deren Begriffe sind im Wandel und werden immer wieder reflektiert. 

Dabei zu beachten ist allerdings: Wenn wir beim Philosophieren mit Kindern immer zuerst an die großen philosophischen Fragen denken („Was ist der Sinn des Lebens?“ usw.), dann entgeht uns womöglich die diskursive Sorgfalt mit der Kinder über alltägliche Dinge sprechen. 




Praxis des Philosophierens 

Das Philosophieren mit Kindern – gleich welchen Alters – ist vor allem eine Tätigkeit, die in alltäglichen Situationen stattfindet, etwa beim Essen, beim Spazierengehen oder beim Bauen und Basteln. Eine Gesprächsrunde mit allen Kindern der Gruppe, wie z.B. im Morgenkreis, ist zwar schön, aber gerade bei jüngeren Kindern nicht Voraussetzung, um ins Philosophieren zu kommen. 

Auch bezüglich der Dauer eines Gesprächs kann man die Ansprüche getrost niedrig halten. Ein Gespräch von gerade mal drei Minuten in einer 1:1-Situation mit einem Kind oder in einer kleinen Gruppe von Kindern, in der jeder die volle Aufmerksamkeit seiner Gesprächspartner erhält, kann schon sehr in die Tiefe führen und viele weitere spannende Fragen aufwerfen. Viel wichtiger als die zeitliche Dauer eines Gesprächs ist, dass es im Tages- und Wochenablauf immer wieder zu solchen kleinen Denk Episoden (vgl. Siraj-Blatchford 2005) kommt. Das Philosophieren mit Kindern drückt sich in erster Linie in einem grundsätzlichen Interesse und in einer kontinuierlichen Dialogbereitschaft der erwachsenen Bezugspersonen aus. 

Ein weiterer wichtiger Punkt ist die Ergebnisoffenheit. Beim Philosophieren braucht am Ende nichts „herauskommen“ oder ein Lehrbuch Ergebnis erarbeitet werden. Beim Philosophieren kommt es darauf an, dass wir uns nicht mit der ersten Antwort, die uns einfällt, zufriedengeben, sondern dass wir nach weiteren Denkmöglichkeiten suchen. Gerade jüngere Kinder springen schnell von Thema zu Thema oder es entsteht ein Gespräch, in dem nur Fragen gestellt werden. Bei Gesprächen mit Kindern kommt es daher darauf an, dass wir nicht versuchen, eine bestimmte Antwort aus ihnen herauszuholen, sondern darum zu verstehen, warum sie eine bestimmte Überlegung aufgestellt haben. 

Es braucht eine gewisse Übung, um die Gedanken und Ideen von Kindern in einem Gespräch aufzugreifen und weiterzuführen. Vielen Kindern fehlt die Erfahrung, dass sich jemand für ihre Gedanken und Fragen interessiert und bereit ist, sich mit ihnen auseinanderzusetzen.




Haltung des Pädagogen beim Philosophieren

Um erfolgreich mit Kindern zu philosophieren, und seine Gedanken auszutauschen, ist es wichtig, dass der Pädagoge / die Pädagogin offen gegenüber dem Thema und den Beiträgen der Kinder ist. Zuerst sollte er / sie sich bewusst machen, welches Ziel das Philosophieren mit Kindern hat. Das Ziel ist hierbei nicht Wissen oder Werte zu vermitteln, sondern sich über ein bestimmtes Thema auszutauschen, und den eigenen Horizont zu erweitern. Kindern sollte beim philosophieren Raum gegeben werden, um über einen Sachverhalt nachzudenken und sich mitzuteilen, ohne, dass ihre Beiträge bewertet werden. Beim Philosophieren gibt es kein „falsch“ und kein „richtig“, jeder Wortbeitrag hat seine Daseinsberechtigung, und trägt zu einem interessanten Austausch bei. Wer mit Kindern philosophieren möchte, der sollte vorerst sein Bild vom Kind hinterfragen, und ihm zugestehen, dass seine Gedanken und Meinungen genauso wichtig sind, wie die eigenen, und wir diese wertschätzen, und dem Kind seine Kompetenz nicht absprechen sollten. Viel mehr kann philosophieren mit Kindern förderlich sein, um einen besseren Zugang zur Lebenswelt der Kinder zu erlangen. Deshalb ist es wichtig, dass der Pädagoge / die Pädagogin dem philosophieren Zeit und Raum gibt, sodass die Kinder die Möglichkeit bekommen ihre Gedanken, ohne Hast zu teilen, und in Ruhe miteinander in den Dialog treten können. Der Pädagoge / die Pädagogin sollte Impulse geben, die als Denkanstoß dienen, die den Kindern aber nicht das eigenständige Denken abnehmen, sondern dieses anregen. Diese Impulse sind nahezu unbegrenzt, der Pädagoge / die Pädagogin kann sich an einem breitgefächerten Angebot als Inspiration bedienen. 

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